Eine echte Wiederentdeckung
Heringssalat nach Oma Luise
Für einen Heringssalat der genannten Art braucht man mindestens drei Tage und vor allem eine echte Großmutter. Denn wer sonst, wenn nicht Oma Luise, soll das alles klein schneiden, was man für einen klassischen Heringssalat für achtzehn, in Zahlen 18, Personen an Weihnachten oder Silvester braucht. Gehen wir aber mal davon aus, Oma Luise, nun sagen wir, hat keine Zeit, und dass ferner Paul und Hanna nebst Ehegatten und insgesamt sieben Kindern sowie Tante Klärchen diesmal nicht zu Besuch kommen. Schon sieht die Sache ganz anders aus und rückt in greifbare Nähe des Machbaren. Also auf ins Vergnügen.
Zutaten für den Rest der Familie, nämlich vier Personen.
2-3 eingelegte ganze Heringe 6 (am Vortag) gekochte gepellte Kartoffeln (festkochend, mittelgroß) 2 geschälte Äpfel 2 mittelgroße gekochte und geschälte Rote Beete 100 gr Kalbsbraten, in dünnen Scheiben 100 gr luftgetrocknete Wurst, Art Landjäger 1 große Salzgurke 3 hart gekochte Eier, davon 1 zum Verzieren beiseite legen 1 Tomate 2 Zwiebeln 1 El kleine Kapern Einige in Öl eingelegte Sardellenfilets 3 El Weißwein-Essig, 3 El Salat-Öl, Salz, 1 Tl Senf (scharf), 1 gute Prise Zucker 1 Holzbrett, 1 kleines Messer und 1 scharfes Kochmesser, 1 große Schüssel
1. Tag: Die eingelegten Heringe 12 Stunden wässern, um ihnen das Salz zu entziehen, dabei 1 mal das Wasser wechseln. Kartoffeln kochen, pellen. Rote Beete kochen und noch heiß abziehen.
2. Tag: Die Heringe abspülen und trocken tupfen, filetieren, entgräten und häuten (hier gilt wie im richtigen Leben: Übung macht den Meister und nächstes Jahr klappt es schon viel besser.). Klein schneiden. Äpfel, Rote Beete, Gurke und Kartoffeln ebenfalls klein schneiden. Bei Oma waren das immer Stückchen mit einer Kantenlänge von gut 5 mm, aber es schmeckt auch etwas größer. Zwiebeln und Sardellen klein hacken. Eier hart kochen, abschrecken, pellen und 2 davon ebenfalls klein hacken. Das dritte zum Verzieren vierteln oder in Scheiben schneiden. Bratenfleisch und die Wurst in feine Streifen scheiden. Alles zusammen in einer großen Schüssel mit Öl, Salz (vorsichtig wegen Hering und Salzgurke), und Pfeffer aus der Mühle und den Kapern vermischen bis alles gut vom Öl umgeben ist. Essig und Senf verrühren, zugeben und langsam untermischen. Nach dem Mischen zum ersten mal abschmecken. Kalt stellen.
3. Tag Kurz vor dem Servieren den Heringssalat noch mal gut durchmischen und abschließend abschmecken. Der Salat sollte jetzt saftig sein, aber nicht suppig. Mit dem letzten Ei und der geachtelten Tomate dekorieren. Guten Appetit. Und noch etwas: Sollten Sie jetzt meinen, das sei doch kein richtiger Heringssalat, haben Sie völlig Recht. Denn es gibt kein Gericht, bei dem die Zusammenstellung so willkürlich sein kann wie beim Heringssalat.
Guten Appetit.
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