Alkoholabhängigkeit ist keine Willensschwäche

Alkohol ist auch in geringen Mengen eine Droge, die die Wahrnehmung und das Bewusstsein verändert. Deshalb ist es sehr schwierig, bei sich selbst und anderen frühzeitig zu erkennen, ob man sich an Alkohol gewöhnt hat, oder schon abhängig geworden ist. Weil der Übergang vom normalen Konsum über die Gewöhnung durch regelmäßigen Gebrauch bis hin zur Abhängigkeit/Sucht fließend ist, ist eine Alkoholabhängigkeit für Betroffene und Angehörige oft schwer zu erkennen, selbst dann, wenn sie offensichtlich ist. Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert. Jedoch wird die Abhängigkeit vom Alkohol selbst von den Betroffenen als Willensschwäche gesehen. Aber wer will sich schon selbst als willensschwach bezeichnen? Die Betroffenen empfinden den Alkohol als legitime Substanz, oder sogar als „Medikament“, das ihnen hilft. Den Alkohol wegzulassen, wird als Bedrohung empfunden. Der Betroffene will funktionieren. Ergebnis: „Ich bin nicht willensschwach, also bin ich auch nicht abhängig“. Ein fataler Irrtum, denn es braucht keine Willensschwäche um abhängig zu werden.
Diese Krankheit ist gekennzeichnet durch die Abhängigkeit von einem chemischen Mittel, das schwere körperliche, seelische und soziale Schäden verursachen kann, wenn keine rechtzeitige Behandlung erfolgt.

Es gibt einen kurzen und einen langen Weg in die Alkoholabhängigkeit.
Es kann sein, dass jemand schon nach einem der ersten Rauscherlebnisse den Alkohol braucht. Er hat entdeckt, dass trinken für ihn das Mittel ist, um Spannungen, Schmerzen, Unlust und Probleme zu beseitigen oder sich selbst zu belohnen. Der Rausch wird als positives Erlebnis wahrgenommen, das immer wieder oder periodisch gesucht wird. So kann es sein, dass schon nach sehr kurzer Zeit eine psychische Abhängigkeit beginnt, auch dann, wenn Alkohol noch nicht täglich getrunken wird.
Der zweite Weg wird erst nach vielen Jahren ersichtlich. Jemand trinkt jahrelang viel, ohne dabei besonders aufzufallen. Dann merkt er eines Tages selbst, dass er ohne Alkohol nicht mehr leben kann. Alkohol wird dann täglich benötigt, um das Zittern der Hände zu vermeiden und klare Gedanken zu fassen. Hier beginnt dann auch ein stetiges Antrinken gegen den sinkenden Alkoholspiegel zur Bekämpfung von Entzugserscheinungen zu denen neben dem Zittern der Hände auch starke Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und depressive Stimmungslagen gehören. Führerscheinentzug, Arbeitsplatzverlust, Trennung und sozialer Abstieg drohen.
Es ist keine Schande krank zu sein, aber bedauerlich nichts dagegen zu tun.
Der Weg zu einer Veränderungsbereitschaft beginnt mit dem ersten Schritt.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle für Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie für Angehörige „RETTUNGSRING e.V“. Backnanger Str.9, 13467 Berlin Tel.: 030 /405 33 176 stehen Ihnen gern und kostenfrei in persönlichen Gesprächen für Informationen, Diagnostik und Einleitung von Behandlung (stationär oder ambulant) zur Verfügung.
Darüber hinaus bietet das Zentrum für ambulante medizinische Entwöhnungsbehandlung in Reinickendorf „RETTUNGSRING e.V.“ (Kostenträger Rentenversicherungen und Krankenkassen) therapeutische Behandlung auf Grundlage ihres tiefenpsychologisch orientierten Konzeptes an. Das multiprofessionelle und langjährig zusammen arbeitende Team, besteht aus einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Suchttherapeut/Innen (Psychologin und Sozialpädagogen/Innen).

 

Das Magazin „Impulse“ der DKV hat unlängst diese kurze Zusammenfassung des Themas veröffentlicht.