Der Buchtipp von Leselust im März

Der Adjudant von Jörgen Norheim

Der Roman spielt Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und erzählt in beeindruckender, ruhiger Weise von einem Deutschen, der, mittlerweile 96 Jahre alt, hoch über einem norwegischen Fjord in einer Einsiedelei lebt und über Gegenwart und Vergangenheit seines Lebens reflektiert. Sein Vermieter, ein Obstbauer und dessen kleine Tochter, sind fast seine einzigen Kontakte in dieser abgelegenen, gewaltigen Naturwelt. Als preußischer Offizier war der Protagonist in jungen Jahren der Adjudant des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II und blieb es auch bis zu dessen Tod in den Niederlanden. In zahlreichen, tiefgehenden Gesprächen mit dem klugen Bauern und mit Hilfe seiner Tagebuchaufzeichnungen gelingt es dem Greis immer mehr, sein Leben vor den Hintergrund der deutschen Geschichte zu verstehen und zu beurteilen.
Die Frage nach Schuld und Verantwortung prägt die Diskussion der beiden so unterschiedlichen Männer, der eine Pazifist, der andere militärisch erzogen und von starken Zweifeln über seine Treue und sein Pflichtbewusstsein bewegt.
Die beiden respektieren die Gegensätzlichkeiten, die in ihren Gesprächen zu Tage treten und es entsteht ein ungewöhnliches Verhältnis.

Mit dem Roman “Der Adjudant“ ist Jörgen Norheim ein sehr fesselnder Roman über Pflichterfüllung, Versagen und Versöhnung gelungen, eingebettet in eine Rahmenhandlung über eine ungleiche Freundschaft. Entdecken Sei einen bei uns wenig bekannten norwegischen Schriftsteller.

Jörgen Norheim, Der Adjudant, Osberg Verlag, 19,95 €, ISBN 978-3-940731-47-0

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