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Ulrike Edschmid: 'Das Verschwinden des Philip S.'

Ulrike Edschmid erzählt sehr ruhig und unprätentiös, wie sie in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Philip S. kennen und lieben lernt, einen zurückhaltenden und liebevollen jungen Mann, der sich auch rührend um den kleinen Sohn der Autorin kümmert. Das gemeinsame Leben mit Philip wird im Laufe der Zeit immer problematischer, auch weil gegen Ende jenes Jahrzehnts die Zustände in West-Berlin immer politischer und unübersichtlicher werden. Nach einigen bewegenden Ereignissen, die einwandfrei historisch zuzuordnen sind, entfremdet sich das Paar immer mehr voneinander und Philip schließt sich der „Bewegung 2. Juni“ an.

Die Wege der Liebenden trennen sich, weil die Autorin den Weg in den Untergrund mit ihrem Sohn verweigert und die zunehmende Radikalisierung Philips nicht mehr mittragen kann. Ulrike Edschmids Sprache ist überwältigend poetisch. Durch die besondere Art ihrer Schilderung kommt diese Zeit dem Leser sehr nahe und die Entscheidungen der handelnden Personen werden verständlich, auch wenn man ihnen nicht unbedingt zustimmen möchte. Edschmid kritisiert nicht nur die revolutionären Gedanken und Taten der Studenten, sondern auch den Staat, die Ordnungsmacht und deren Vorgehensweise, die Gewalt von beiden Seiten gegen Menschen und Sachen. Ohne jegliche Sentimentalität ist es der Autorin gelungen, einen einfühlsamen Roman über die deutsche Geschichte der damaligen Zeit und eine persönliche Liebes- und Leidensgeschichte zu schreiben.

Ulrike Edschmid – Das Verschwinden des Philip S. – Suhrkamp Verlag – 15,95 Euro

C. Weber

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