Der Buchtipp von LESELUST:

Ob man ein Buch mag oder nicht kann von der Sprache, dem Schreibstil usw. abhängen. In diesem Roman spielt eine wichtige Rolle das Milieu, das man mögen oder zumindest interessant finden sollte.

Eine Tochter erzählt das Leben und die wahren Gefühle ihrer angepassten Mutter, des kauzigen Großvaters und der klagenden Großmutter, das die Mutter ihr im Sterbebett jetzt endlich offenbart.

Aufgewachsen in einem kleinen rheinländischen Ort wird die Mutter, mangels äußerer Schönheit, vom Großvater dazu gedrängt in jeder anderen Disziplin überdurchschnittlich zu glänzen. Sprachen, Musik, Sport usw. Den Familienbetrieb, ein Modegeschäft, führt er mit fester Hand und Hilfe seiner Gattin, die sich dem herrischen Mann ergeben hat, Gefühle werden hinten angestellt.
Der überbordend spritzige, originelle Erzählstil der Debütautorin, machte mich anfangs skeptisch.

Die Mutter hat gerade einen Studienplatz, da ziehen die Eltern mit dem Geschäft nach Berlin und weil sie von ihrer Tochter nicht lassen können, muss sie nachkommen, denn die Eltern brauchen sie im neuen Geschäft.

Was man nicht für möglich gehalten hat, sie entdeckt die Liebe. Und spätestens als sie, die Kopfgesteuerte, Angepasste sich kurz vor der Hochzeit blindlings in eine unglaubliche Affäre begibt, die den Verstand auf Eis legt, wird klar, dass die Autorin das Tempo, die freche flapsige, lokal kolorierte Sprache, den schwarzen Humor tatsächlich durchhält und die Mutter ihren Kokon nur durchbrechen kann, in dem sie sich auf eine vollkommen fremde Welt einlässt.

Marianne Hahn

Sarah Strecker, Fünf Kopeken, 512 Seiten, Eichborn, 19,99 €

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