Die LESELUST empfiehlt im August:

Der Gedanke an das Glück und an das Ende

Der Roman spielt an einem einzigen Tag, dem 9. Juli 1961, in einem kleinen Dorf bei Clermont-Ferrand. Hauptperson Albert, ca. 50 Jahre alt, ist durch den 2. Weltkrieg traumatisiert und unfähig, von seinen damaligen Erlebnissen zu berichten. An diesem Tag werden sich seine Beziehungen zu seiner Frau Suzanne und zu seinen beiden Söhnen enorm verändern.
Überhaupt verändert sich dort in diesen wenigen Stunden sehr viel, was der Autor in knappen, aber inhaltsreichen Sätzen und dabei voller Liebe für seine Figuren erzählt. Henri, der ältere Sohn ist im Algerienkrieg, der Jüngere, Gilles, taucht gerade, mit Hilfe Balzacs, in die literarischen Welten ein und Suzanne verliebt sich und verkauft die alten Möbel und Utensilien, um Platz für das Neue zu schaffen, die neue Zeit, die Moderne. Der erste Fernseher wird aufgestellt, und die Dorfbewohner sehen fasziniert und gebannt einer Dokumentation zu, in deren Verlauf auch Henri interviewt wird. Fast alles bewegt sich vorwärts. Sensibel, stilsicher und voller Menschlichkeit versteht es der Autor, den Wandel in dieser Familie, im Dorf, in der Gesellschaft zu schildern. Albert erkennt an diesem Tag, dass er den Weg in die Zukunft mit seiner unbewältigten Vergangenheit nicht mitgehen kann und trifft sehr bewusst einen einschneidenden Beschluss. Eine sehr berührende, empfindsame Geschichte, die zu erklären versucht, wie der Krieg uns verändert und welche Macht die Literatur besitzt.

C. Weber

Jean-Luc Seigle, Der Gedanke an das Glück und an das Ende – C.H.Beck Verlag – 224 S. – 18,95 €

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