Am Anfang war die Handdruckspritze

Ein Museum erzählt die Geschichte der Berliner Feuerwehr

Feuerwehr-Museum

Am Vormittag des 30. Oktober 1902 brach in der Stralauer Straße ein Feuer aus. Ein Wohnhaus brannte vom Erdgeschoss bis zum Dach. Acht Züge der Berliner Feuerwehr rückten damals aus. Dieses Ereignis zählt als Anfang moderner Feuerwehreinsätze. Denn, was bis dahin eher unkoordiniert ablief, hatte nun eine Struktur. Ein Teil der Einsatzkräfte bekämpfte den Brand, ein Teil versorgte verletzte Personen, ein Feuerwehrmann übernahm die Einsatzleitung. Bis heute hat sich an dieser Vorgehensweise im Prinzip nichts geändert.

Mit diesem Brandbericht beginnt ein Besuch im Feuerwehrmuseum Berlin. Es zeigt die wechselvolle Geschichte der ältesten und größten deutschen Berufsfeuerwehr. 1851 wur de sie als Abteilung des staatlichen Polizeipräsidiums gegründet. Viele Ausstellungsstücke stammen aus dem 19. Jahrhundert. Zum Beispiel drei Handdruckspritzen aus den Jahren 1874 bis 1884 und eine Bespannte Handdruckspritze von 1891. Eine Dampfdruck- und eine Gasdruckspritze können als Modell besichtigt werden; ebenso verschiedene Feuerwehreinsatzfahrzeuge aus den Jahren 1908 bis 1937, die in langwieriger Handarbeit gefertigt wurden.

Eine prunkvoll verzierte Feuermeldesäule, wie sie 1886 erstmals auf dem Moritzplatz in Kreuzberg errichtet wurde, steht am Eingang zum Telegraphenzimmer. Hier ist eine Feuermeldeempfangsanlage von 1910 aufgebaut. Deutlich fortschrittlicher war da schon das Alarmpostament von 1926, mit dem die Wachmannschaften zu Einsätzen gerufen wurden. Zur Ausrüstung zählte damals ein Randschutzhelm mit Mannschutzbrause. Diese Brause „duschte“ den Feuerwehrmann und schütze ihn so vor den Flammen. Von 1898 bis 1932 wurde sie verwendet. Ein Original ist ausgestellt, ihren Einsatz zeigt ein Foto.

Einige Zeitabschnitte bzw. Situationen sind lebensgroß dargestellt: Die Leitstelle der Berliner Feuerwehr, Alarmtaucher, Feuerwehr im Zweiten Weltkrieg und in der DDR, eine Depressionskammer für Druckunfälle. Die Besucher erhalten Einblicke in technische Hilfeleistungen und in Einsätze bei einem Chemieunfall. Ein Raum zeigt, welche Schäden ein Zimmerbrand anrichten kann. Bei der psychotechnischen Eignungsprüfung können sich Kinder auf spielerische Weise ausprobieren.

Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr können zwar nicht besichtigt werden. Doch wird der Fuhrpark – Oldtimer und moderne Fahrzeuge – in zwei „Kinos“ per Video vorgestellt. Paare, dieeinen originellen Ort für die Hochzeit suchen, können hier sogar heiraten.

Das Museum zählt bis zu 12000 Besucher pro Jahr. 2009 und 2010 wurde es komplett saniert und am 1. März 2011 wieder eröffnet. Es ist leicht zu finden. Markant sind der gelbe Hubschrauber und der halbe Rettungswagen an der Ecke Berliner und Veitstraße. Dienstags und donnerstags ist von 9 bis 16 Uhr geöffnet, mittwochs von 9 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Kitas, Schulen und andere Gruppen können an Führungen teilnehmen. Anmeldungen und Informationen unter Tel. 38710933 und im Internet (www.feuerwehrmuseum-berlin.de).

Tobias Böker